Die Geschichte unseres Theaters

1996-1998
Zur Entstehung des Theaterprojekts

Zunächst bestand die Grundidee seitens der Pfeifferschen Stiftungen, eine Theaterwerkstatt als fakultatives Freizeitangebot für Menschen mit einer geistigen Behinderung anzubieten. So wurde nach der Mitarbeitserklärung der Fachhochschule Magdeburg und den Freien Kammerspielen im März 1996 ein Theaterprojekt ins Leben gerufen.

Unter der Leitung von Ina Kindler (Theaterpädagogin, Freie Kammerspiele Magdeburg) und Claudia Nicholaus (Dozentin des Fachbereichs Heilpädagogik an der FH Magdeburg) fanden sich 5 Heilpädagogik-Studierende und zehn am Theaterspielen interessierte Männer und Frauen sowie 2 Betreuerinnen zu einer Gruppe zusammen, um fortan gemeinsam auf jener Idee aufzubauen.

Anfangs verlief die Arbeit einerseits in wöchentlichen Teamsitzungen und andererseits in Form von Workshops im 14tägigen Turnus. Letztere fanden innerhalb der von den Freien Kammerspielen zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten statt, da hier methodisches Material nutzbar war.

Als grundlegende Arbeitsbasis sollte Theater als Kommunikations- und Spielraum ergründet, als Kunstform erlebt und als Institution genutzt werden. So zeichnete sich die erste Phase der Arbeit vor allem durch gegenseitiges Kennenlernen und schrittweise Annäherung bis zum allmählichen Intensivieren der Beziehungen im Rahmen der Werkstattsarbeit.

Um jeden Teilnehmer im Bewusstwerden der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten zu fördern, wurden verschiedenste Mittel angeboten und spielerisch erprobt: Körperwahrnehmung, Bewegung, Raumerfahrung und besondere Formen der nonverbalen Kommunikation (Mimik, Gestik, Pantomimik). Dabei wurden Anzeichen von Vorlieben, Neigungen und Ablehnungen sichtbar.

Auf der Suche nach Interessenpunkten kamen seitens der Schaupielerinnen und Schauspieler Impulse, klasssische Märchen darzustellen. Hierbei wurde die Wahl einer zu spielenden Rolle relativ leicht und unkompliziert vollzogen (Hänsel und Gretel, Rotkäppchen usw.).

Allerdings zeigte sich, dass die Spieler auf Grund der Bekanntheit der Handlung starr an den Verhaltensmustern der Figuren festhielten. Versuche, wie das Herauslösen der Märchenfiguren aus der Handlung und einflechten dieser in den Lebensalltag der Schauspieler, lehrten, dass die typischen Charaktereigenschaften der Figuren nur im Umfeld des jeweiligen Märchens existent waren und außerhalb dessen zerbrachen.

Es war an der Zeit eine geeignete Geschichte zu suchen, die in ihrer Struktur einen Kompromiss zwischen der Interessenlage Märchen und der Möglichkeit zur freien Entfaltung bildet...

... "Die mit den Nasen küssen"


1998-1999

Mehrere parallel laufende Arbeitsschwerpunkte bestimmen die Arbeit der Theatergruppe "The Pipers" nach der Premiere von "Die mit den Nasen küssen" 1997, welches noch bis zum März 1998 mehrmals erfolgreich aufgeführt wurde.

Um sich vertiefend mit den Bereichen Rhythmusarbeit, Bewegung und Pantomimik zu befassen wurden durch Dozenten Workshops und Wochenendseminare mit der Theatergruppe durchgeführt.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler erweiterten ihren Gestaltungsspielraum, Vielfalt und Intensität ihrer Darstellungsformen. Es galt den Spielern die Möglichkeit zum Experimentieren mit verschiedenen Materialen zu erhalten, um somit neue Ausdrucksformen zu entdecken.

In dieser Zeit des Entdeckens und der Weiterentwicklung entstand die erste Eigenproduktion des Theaters "The Pipers"...

... "Madame Silvias Cafélateria"


2000-2002

Nach Aufführung von "Madame Silvias Cafélateria" übergab Ina Kindler die Spielleitung an Shirley Radig, die fortan gemeinsam mit den Studentinnen und Studenten die Proben leitete.

Zur selben Zeit wurden "The Pipers" im Jahr 2000 Mitglied im Landeszentrum "Spiel & Theater" Sachsen-Anhalt e.V. (LanZe).

Unter der Leitung von Shirley Radig entstand im Jahr 2001 die neue Inszenierung der "Pipers"...

... "Herzgetrommel"


2002-2003

Nach vielen gefeierten Auftritten mit dem Stück "Herzgetrommel" kam im Jahre 2002 wieder eine Veränderung auf das Theaterprojekt "The Pipers" zu:
Grit Bartels übernahm von Claudia Nicholaus die organisatorische Leitung seitens der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) und Silke Lenz von Lanze e.V. die Spielleitung.

Im März 2002 begannen wir dann uns mit dem Lebensraum ELBE auseinanderzusetzen. Auf diesem Wege entstand, zu einer Ausstellungseröffnung des Kunstvereins Zinnober, die vierte Produktion des Theaterprojekts....

... "alles leben im fluss"


2003 - "The Pipers" als Verein

7 Jahre, 4 erfolgreiche Produktionen und viele gefeierte Auftritte nach unserer Gründung als Projekt an der Hochschule Magdeburg später, haben wir, die Schauspielerinnen und Schauspieler, die Projektstudentinnen- und studenten, die Projektleiterin der Hochschule Grit Bartels, Silke Lenz vom Landeszentrum "Spiel & Theater" Sachsen-Anhalt e.V. sowie Katrin Richter von den Freien Kammerspielen und viele andere am 1. Juli 2003 einen Verein gegründet:

das Theater "The Pipers" e.V.

Mit dieser Vereinsgründung wollen wir den Weg bereiten, um auch nach Beendigung des Hochschulprojekts zum 1. Januar 2004 weiterhin das soziale und kulturelle Leben der Region zu bereichern und theaterinteressierten Menschen eine Möglichkeit zu geben, sich in der Welt des Theaters zu entdecken...


2004-2005 - Theater mit viel Herz, Mut und Verstand

"Herz - Mut - Verstand" heißt die neue Inszenierung, die die Theatergruppe "The Pipers" unter der Leitung von Katrin Richter am 22. April 2005 um 19 Uhr im "theater für junge zuschauer" am Jerichower Platz in Magdeburg erstmalig aufführen wird.

Vogelscheuchen ohne Verstand, Blechmänner ohne Herz und ein Löwe ohne Mut, sie alle sind auf der Suche und schließen sich Dorothy an, um mit ihr und ihrem Hund Toto, den großen Zauberer Oz in der Smaragdstadt zu finden, weil er der einzige ist, der sie von ihren "Unzulänglichkeiten" befreien kann - doch die Suche gestaltet sich recht abenteuerlich und alles andere als einfach...

Seht ihr, Oz ist ein großer Zauberer und kann jede Gestalt annehmen, die ihm passt.
Manche sagen, er sähe wie ein Vogel aus.
Andere behaupten, er wäre ein Elefant, und einige halten ihn für eine Katze.
Es gibt auch Leute, denen kommt er vor wie eine schöne Fee
oder ein Zwerg oder irgendeine sonderbare Gestalt, die ihm gerade einfällt.
Aber wie der wirkliche Oz ist und wie er aussieht, das kann niemand sagen.

Originalzitat aus "Der Zauberer von Oz" v. L. Frank Baum

... und als die unterschiedlichen Freunde den sagenumwobenen Zauberer nach aufregender Reise endlich zu Gesicht bekommen, erwartet sie eine große Überraschung... und den aufmerksamen Zuschauer letztlich die Erkenntnis, dass es gerade die "Unzulänglichkeiten" sind, die jedes Individuum besonders wertvoll und einzigartig machen. Mit diesem zentralen Zusammenhang schließt sich denn auch der Bogen zwischen dem Stück, dem Publikum, den Schauspielern und jedermanns "Unzulänglichkeiten". Es ist gerade die überraschende Wendung, die ganz unmittelbar aktuelle Bezüge zu unserer gesellschaftlichen Gegenwart herzustellen vermag. Ein turbulentes Spiel um Macht und Täuschung, Magie und Zauberei, Moral und Illusion - kurz der Stoff, aus dem Theater lebt und eine geradezu ideale Vorlage für die außerordentliche Spielfreude der "Pipers".

Das turbulente Stück, das in Anlehnung an das fantastische Märchen "Der Zauberer von Oz" von L. Frank Baum entwickelt wurde, markiert für die Pipers einen Wendepunkt in ihrer achtjährigen Geschichte: Die Gruppe, die einst aus einem Gemeinschaftsprojekt der Fachhochschule Magdeburg-Stendal, den Pfeifferschen Stiftungen und den freienkammerspielen magdeburg entstanden war, wagt mit der Inszenierung den wagemutigen Schritt in die Selbständigkeit. Als Theater "The Pipers" e.V. stehen sie nun auf eigenen Beinen und reihen sich ein, in die handverlesene Gruppe deutscher Theaterensembles aus Menschen mit Behinderungen, die mit ihrer Theaterarbeit einen professionell-künstlerischen Ansatz verfolgen. So wird der Titel "Herz - Mut - Verstand" gleichsam zur Metapher auf die Hoffnung des beeindruckenden Magdeburger Ensembles.

Eine aktuelle Übersicht über alle Auftritte des Theaters "The Pipers" mit der schillernden Inszenierung HERZ - MUT - VERSTAND findet sich auf der Spielplanseite. Und wer es gar nicht abwarten kann, kann sich in der Galerie schon ein paar aktuelle Kostüm- und Probenfotos ansehen. Es lohnt sich also, immer wieder mal auf unseren Internetseiten vorbeizuschauen!


... "Herz - Mut - Verstand"